12 Aug. Wenn das Problem nicht nur das Unternehmen betrifft
Wenn das Problem nicht nur das Unternehmen betrifft: Wie man die unternehmerische, familiäre und persönliche Zukunft gestaltet
Generationswechsel, Unternehmensverkauf, familiäre Konflikte, Vermögen, Verwitwung und Fortführung des Unternehmens: Entscheidungen, vor denen viele Unternehmerinnen und Unternehmer nach einem langen Arbeitsleben stehen
Es gibt Unternehmerinnen und Unternehmer, die seit dreißig, vierzig oder sogar noch mehr Jahren ein kleines oder mittleres Unternehmen führen. In all dieser Zeit mussten sie Kunden gewinnen, Gehälter zahlen, mit Lieferanten und Banken verhandeln, sich an technologische Veränderungen anpassen, Krisen bewältigen und Entscheidungen treffen, die sowohl das Unternehmen als auch ihr eigenes Leben geprägt haben. Gerade bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen, insbesondere bei Familienunternehmen, lässt sich die Geschichte des Unternehmens kaum von der Geschichte der Person oder der Familie trennen, die dahintersteht.
Mit den Jahren stellen sich jedoch andere Fragen. Wie lange möchte und kann ich noch mit demselben Einsatz weiterarbeiten? Könnte das Unternehmen funktionieren, ohne dass ich mich jeden Tag darum kümmern muss? Wer führt es weiter, wenn ich mich aus der Geschäftsführung zurückziehen möchte? Wollen meine Kinder das Unternehmen übernehmen und sind sie tatsächlich darauf vorbereitet? Wäre ein Verkauf vielleicht die bessere Lösung? Welche Folgen hätte eine solche Entscheidung für mein Vermögen und meine Familie? Ist meine Nachfolge richtig geregelt?
Manchmal haben sich darüber hinaus auch die persönlichen Verhältnisse verändert. Die Person, mit der das Unternehmen gemeinsam aufgebaut wurde, kann verstorben sein, es können Probleme mit den Kindern oder Meinungsverschiedenheiten zwischen Geschwistern entstanden sein oder es kommt einfach ein Zeitpunkt im Leben, an dem man nicht mehr dasselbe Maß an Verantwortung übernehmen möchte. Dann betrifft das Problem nicht mehr nur das Unternehmen, sondern es wird notwendig, die unternehmerische, familiäre, vermögensrechtliche und persönliche Zukunft gemeinsam zu betrachten.
Auch ein gut funktionierendes Unternehmen kann wichtige Entscheidungen erfordern
Ein kleines oder mittleres Unternehmen muss keine Verluste machen, damit sein Eigentümer vor wichtigen Entscheidungen steht. Es kann sich um ein rentables Unternehmen mit guten Kunden und einem etablierten Geschäft handeln, und trotzdem kann der Zeitpunkt kommen, an dem sich die Unternehmerin oder der Unternehmer fragt, wie lange sie oder er das Unternehmen noch mit demselben persönlichen Einsatz und derselben Verantwortung führen möchte und kann.
Denn auch für jemanden, der ein Unternehmen führt, gibt es Grenzen, auch wenn diese nicht unbedingt mit einem bestimmten Alter oder dem formalen Eintritt in den Ruhestand zusammenfallen. Nach dreißig oder vierzig Berufsjahren kann der Wunsch entstehen, den persönlichen Einsatz zu reduzieren, bestimmte Verantwortlichkeiten in andere Hände zu geben oder einfach mehr Zeit für das eigene Leben zu haben. Gerade dann stellt sich die wichtige Frage, ob das Unternehmen darauf vorbereitet ist, ohne die ständige Anwesenheit und Mitwirkung der Person zu funktionieren, die es über viele Jahre geführt hat.
In anderen Fällen ist die Situation völlig anders. Das Unternehmen hat vielleicht Kunden verloren, die Margen sind gesunken, die Liquidität wird zunehmend schwieriger und der Eigentümer finanziert den laufenden Betrieb möglicherweise bereits seit einiger Zeit mit privaten Mitteln. Bevor weiteres persönliches Geld eingesetzt oder eine übereilte Entscheidung getroffen wird, sollte zunächst geklärt werden, wie das Unternehmen tatsächlich dasteht.
Dazu gehören die Analyse von Umsatz, Ergebnissen, Margen, Kunden, Kosten, Verschuldung, Liquidität, Unternehmensstruktur und Zukunftsaussichten. Gleichzeitig sollte man sich eine weitere Frage stellen, die häufig besonders aufschlussreich ist: Könnte dieses Unternehmen ordnungsgemäß funktionieren, ohne dass sein Eigentümer ständig persönlich damit beschäftigt sein müsste?
Je nach Antwort kann es sinnvoll sein, weiterzumachen, bestimmte Bereiche neu zu organisieren, das Management zu professionalisieren, einen Generationswechsel vorzubereiten, einen Käufer zu suchen oder einen geordneten Ausstieg zu planen. Es geht nicht darum, ein Unternehmen um jeden Preis zu retten. Es geht darum, seine tatsächliche Situation zu verstehen und zu entscheiden, welche Alternative sowohl für das Unternehmen als auch für die Person, die es seit vielen Jahren trägt, am sinnvollsten ist.
Der Generationswechsel muss nicht immer innerhalb der Familie stattfinden
Lange Zeit wurde fast selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Kinder das von ihren Eltern aufgebaute Unternehmen weiterführen würden. Die Realität zeigt jedoch, dass dies nicht immer der Fall ist und auch nicht zwangsläufig die beste Lösung sein muss.
Ein Sohn oder eine Tochter kann beruflich hervorragend qualifiziert sein und trotzdem keinerlei Interesse daran haben, das Familienunternehmen zu führen. Ein anderes Kind möchte das Unternehmen vielleicht übernehmen, benötigt aber noch Erfahrung oder Ausbildung. Es kann auch mehrere Geschwister geben, von denen nur eines im Unternehmen arbeitet. Dann stellen sich wichtige Fragen hinsichtlich der zukünftigen Eigentumsverhältnisse, der Geschäftsführung und des Erbes.
Einen Generationswechsel vorzubereiten bedeutet, über diese Fragen zu sprechen, bevor äußere Umstände dazu zwingen, unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. In manchen Unternehmen wird die Fortführung innerhalb der Familie eine gute Lösung sein, während es in anderen sinnvoller sein kann, eine professionelle Geschäftsführung einzusetzen oder einen Verkauf des Unternehmens zu prüfen. Entscheidend ist, die Fortführung des Unternehmens nicht automatisch mit einer Fortführung innerhalb der Familie gleichzusetzen.
Wenn einer von beiden nicht mehr da ist
Viele kleine Unternehmen wurden über Jahrzehnte von Ehepaaren oder Lebenspartnern gemeinsam aufgebaut. Auch wenn formal nur einer von beiden an der Spitze des Unternehmens stand, wurden wichtige Entscheidungen häufig gemeinsam getroffen und beide kannten unterschiedliche Bereiche des Betriebs. Einer kümmerte sich vielleicht stärker um Kunden oder Produktion, der andere um Verwaltung, Banken oder finanzielle Angelegenheiten.
Wenn einer von beiden verstirbt, bedeutet die Verwitwung nicht nur, einen persönlichen Verlust bewältigen zu müssen. Die verbleibende Person kann plötzlich allein an der Spitze eines Unternehmens stehen, das weiter funktionieren muss, und gleichzeitig Entscheidungen treffen müssen, die über viele Jahre gemeinsam getroffen wurden. Hinzu können gesellschaftsrechtliche, vermögensrechtliche und erbrechtliche Fragen kommen, mit denen man sich bis dahin vielleicht nie beschäftigen musste.
Wenn diese Person gleichzeitig an einem Punkt ihres Lebens angekommen ist, an dem sie darüber nachdenkt, wie lange sie das Unternehmen noch führen möchte, und wenn zudem keine klare Nachfolge innerhalb der Familie vorhanden ist, kann die Frage nicht mehr nur lauten, was das Unternehmen benötigt. Ebenso wichtig ist die Frage, was die Person selbst möchte und wie sie die kommenden Jahre ihres Lebens gestalten will.
Unternehmen, Familie und Vermögen können sich miteinander vermischen
In vielen kleinen und mittleren Unternehmen hat der Eigentümer persönlich für Geschäfte gebürgt, der Gesellschaft Geld geliehen oder private Mittel eingesetzt, um betriebliche Bedürfnisse zu finanzieren. Gleichzeitig verfügt er möglicherweise über Wohnungen, Geschäftsräume, Ersparnisse oder andere Vermögenswerte, die über viele Jahre aufgebaut wurden und auch im Hinblick auf die eigenen zukünftigen Bedürfnisse betrachtet werden sollten.
Um dieses Vermögen herum steht außerdem die Familie. Es kann Kinder geben, die finanziell von ihren Eltern abhängig sind, Meinungsverschiedenheiten zwischen Geschwistern, Trennungen, offene Erbschaftsfragen, Probleme im familiären Zusammenleben oder besonders schwierige persönliche Situationen. Unter solchen Umständen kann eine unternehmerische Entscheidung erhebliche familiäre Folgen haben. Umgekehrt kann ein familiärer Konflikt die Zukunft eines Unternehmens ernsthaft beeinträchtigen.
Deshalb lassen sich solche Situationen nicht immer allein anhand der Gewinn und Verlustrechnung lösen. Es muss geklärt werden, was der Eigentümer für seine eigene Zukunft tatsächlich benötigt, welcher Teil seines Vermögens mit dem Unternehmen verbunden ist, welche Risiken er persönlich trägt und in welchem Umfang unternehmerische Entscheidungen seine private Situation beeinflussen können.
Und was geschieht mit Testament und späterem Erbe?
Wenn über einen Generationswechsel, den Verkauf eines Unternehmens oder einen späteren Rückzug aus der Geschäftsführung gesprochen wird, sollte eine weitere Frage berücksichtigt werden: Welche Auswirkungen können diese Entscheidungen auf das Testament und die Nachlassplanung haben?
Was geschieht mit den Unternehmensanteilen nach dem Tod des Eigentümers? Ist es sinnvoll, dass alle Kinder die gleichen Anteile erhalten, wenn nur eines von ihnen im Unternehmen tätig ist? Was geschieht, wenn keines der Kinder das Unternehmen weiterführen möchte? Welche Auswirkungen kann ein Unternehmensverkauf auf das spätere Erbe haben? Und was bedeutet es, wenn ein erheblicher Teil des Vermögens in der Gesellschaft, in einer vom Unternehmen genutzten Immobilie oder in anderen Immobilien gebunden ist?
Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass viele Testamente vor Jahren errichtet wurden, als die unternehmerische und familiäre Situation völlig anders war. Seitdem können sich das Unternehmen, das Vermögen und die familiären Beziehungen verändert haben, ein Ehepartner kann verstorben sein oder es können neue Umstände eingetreten sein, die es sinnvoll machen, frühere Entscheidungen nochmals zu überprüfen.
Es geht nicht darum, ein Testament allein deshalb zu ändern, weil ein Unternehmer ein bestimmtes Alter erreicht hat. Vielmehr sollte geprüft werden, ob die bestehende Nachlassplanung noch zur aktuellen Situation und zu dem passt, was die betreffende Person tatsächlich mit ihrem Vermögen und ihrem Unternehmen erreichen möchte.
Persönliche Konflikte gehören ebenfalls zum Problem
Im Laufe dieses Prozesses können Konflikte zwischen Gesellschaftern, Geschwistern, Eltern und Kindern, verschiedenen Generationen eines Familienunternehmens, Arbeitnehmern oder ehemaligen Arbeitnehmern entstehen. Selbst ein möglicher Unternehmensverkauf kann zu Auseinandersetzungen führen, wenn mehrere Personen unterschiedliche Interessen verfolgen.
Manche Probleme erfordern eine rechtliche Lösung, andere eine wirtschaftliche, steuerliche oder unternehmerische Analyse und wieder andere machen es notwendig, mehrere Personen an einen Tisch zu bringen. Verhandlung, Mediation und Schlichtung können besonders hilfreich sein, wenn noch die Möglichkeit besteht, eine Vereinbarung zu erreichen und verhindert werden soll, dass ein Konflikt familiäre Beziehungen, Vermögen oder sogar ein eigentlich lebensfähiges Unternehmen beschädigt.
Persönliche Fragen von rein unternehmerischen Problemen zu trennen, zu verstehen, was die einzelnen Beteiligten tatsächlich benötigen, und die verschiedenen Interessen zu ordnen, kann Möglichkeiten sichtbar machen, die kaum zu erkennen sind, solange alle Probleme gleichzeitig behandelt werden.
Nachdenken ja, aber nicht in Entscheidungsunfähigkeit verharren
Entscheidungen dieser Tragweite sollten nicht übereilt getroffen werden. Ein Unternehmen zu verkaufen, einen Sohn oder eine Tochter in die Geschäftsführung aufzunehmen, den Betrieb neu zu organisieren, privates Vermögen einzusetzen, eine Nachlassplanung zu ändern oder eine über Jahrzehnte aufgebaute Tätigkeit zu beenden, sind Fragen, die Informationen, Überlegung und in vielen Fällen professionelle Beratung erfordern, bevor konkrete Schritte unternommen werden.
Gerade deshalb biete ich auch einen Beratungsservice vor wichtigen Entscheidungen an. Wer sich an einen professionellen Berater wendet, muss nicht immer sofort eine Verhandlung, eine Mediation oder rechtliche Schritte einleiten. Manchmal geht es zunächst darum, die Situation darzustellen, die vorhandenen Informationen zu ordnen, verschiedene Alternativen zu prüfen und deren mögliche Folgen zu verstehen, bevor entschieden wird, welcher Weg eingeschlagen werden soll.
Nachdenken bedeutet jedoch nicht, Entscheidungen unbegrenzt aufzuschieben. Meine langjährige Erfahrung in der Unternehmensführung hat mir ebenfalls gezeigt, dass Entscheidungsunfähigkeit irgendwann selbst zu einer Entscheidung werden kann und nicht immer zur richtigen. Ein Unternehmen kann den Verlust von Kunden, eine ungeeignete Struktur, einen Konflikt zwischen Gesellschaftern, Liquiditätsprobleme oder notwendige Veränderungen in der Geschäftsführung eine gewisse Zeit verkraften. Wenn solche Situationen jedoch Monate oder Jahre andauern, kann der Handlungsspielraum immer kleiner werden.
Manche Entscheidungen brauchen Zeit, um zu reifen, müssen aber trotzdem rechtzeitig getroffen werden. Zu langes Warten kann den Wert eines Unternehmens beeinträchtigen, private Ressourcen aufzehren, einen Konflikt verschärfen oder aus einer noch lösbaren Schwierigkeit ein wesentlich größeres Problem machen. In bestimmten Situationen sind einige der ursprünglich vorhandenen Möglichkeiten bereits verschwunden, wenn schließlich die Entscheidung getroffen wird, tätig zu werden.
Deshalb ist es so wichtig, ein angemessenes Gleichgewicht zu finden. Weder vorschnell entscheiden noch untätig bleiben, während die Probleme weiter wachsen. Analysieren, unterschiedliche Möglichkeiten prüfen, fachlichen Rat einholen und entscheiden, sobald ausreichende Informationen vorliegen.
Zuerst müssen wir wissen, welches Problem wir eigentlich lösen wollen
Wenn unternehmerische, wirtschaftliche, rechtliche, familiäre und vermögensrechtliche Fragen gleichzeitig auftreten, besteht der erste Fehler wahrscheinlich darin, alles auf einmal lösen zu wollen. Sinnvoller ist es, die einzelnen Probleme zu identifizieren, Prioritäten zu setzen, die notwendigen Informationen zusammenzutragen und festzustellen, welche Fachleute bei den jeweiligen Fragen hinzugezogen werden sollten. In manchen Fällen wird eine Zusammenarbeit mit Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern, Unternehmensberatern, Notaren oder anderen Spezialisten erforderlich sein, denn eine komplexe Situation lässt sich nur selten aus einer einzigen fachlichen Perspektive angemessen beurteilen.
Meine langjährige Erfahrung in der Unternehmensführung in Verbindung mit meiner heutigen beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt, registrierter Mediator und privater Schlichter ermöglicht es mir, solche Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Die Zahlen und die Funktionsweise eines Unternehmens zu verstehen ist wichtig. Ebenso wichtig ist es jedoch, die rechtlichen Folgen bestimmter Entscheidungen zu erkennen und mit Menschen arbeiten zu können, wenn hinter einem unternehmerischen Problem gleichzeitig familiäre oder persönliche Konflikte stehen.
Die Lösung wird nicht immer darin bestehen, das Unternehmen unverändert weiterzuführen. Sie kann darin liegen, das Unternehmen neu zu organisieren, einen Generationswechsel vorzubereiten, einen Konflikt zu verhandeln, eine professionelle Geschäftsführung einzusetzen, einen Käufer zu suchen, das Unternehmen zu verkaufen, die Vermögens und Nachlassplanung zu überprüfen oder, wenn keine vernünftige Alternative mehr besteht, einen geordneten Ausstieg aus der Geschäftstätigkeit vorzubereiten.
Nach einem langen Arbeitsleben kommt ein Zeitpunkt, an dem es sinnvoll ist, nicht nur darüber nachzudenken, welche Zukunft wir für unser Unternehmen wünschen, sondern auch darüber, welche Zukunft wir für uns selbst wollen und welche Auswirkungen unsere Entscheidungen auf die Menschen in unserem Umfeld haben können. Und es ist sinnvoll, dies früh genug zu tun, solange noch verschiedene Alternativen zur Verfügung stehen.
Deshalb kann es sich lohnen, vor jeder Entscheidung mit einer scheinbar einfachen Frage zu beginnen, die häufig am schwierigsten zu beantworten ist: Welches Problem müssen wir eigentlich wirklich lösen?
Barcelona, 12. August 2026
Daniel Sererols Villalón
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Bertram Müller
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