Neues Interview mit Raúl Gómez Ojados, Mediator in Cartagena

Cartagena und Barcelona, 19. April 2026

Neues Interview mit Raúl Gómez Ojados, Mediator in Cartagena (Murcia)

„Es besteht weiterhin eine Lücke zwischen der rechtlichen Anerkennung der Mediation und ihrer tatsächlichen Umsetzung in der beruflichen und gesellschaftlichen Praxis. Diese Lücke zu schließen stellt eine der größten Herausforderungen des Sektors dar.“ Raúl Gómez Ojados

Der Mediator und Gerichtssachverständige Raúl Gómez Ojados analysiert die Rolle von SINMECO, die Debatte über das vertrauliche verbindliche Angebot sowie den entscheidenden Moment, den die Mediation in Spanien derzeit erlebt, geprägt durch die Überprüfung der MASC auf verfassungsrechtlicher Ebene.

In einer besonders bedeutsamen Phase für die Mediation in Spanien hat die Debatte über die MASC (angemessene Methoden der Streitbeilegung) eine rechtliche, berufliche und institutionelle Dimension von höchster Bedeutung erreicht.

Zur jüngsten Konsolidierung der Gewerkschaft für Mediation in Konflikten (SINMECO), mit landesweiter Ausrichtung und Präsenz in verschiedenen autonomen Gemeinschaften, kommt ein intensiver Reflexionsprozess über das derzeitige Modell des Zugangs zur Justiz hinzu. In diesem Zusammenhang ist das kürzlich in Madrid abgehaltene landesweite Treffen hervorzuheben, das Fachleute aus dem gesamten Staatsgebiet zusammenbrachte.

Parallel dazu haben verschiedene juristische Institutionen öffentlich die Notwendigkeit angesprochen, die Verpflichtung zur Inanspruchnahme von MASC in bestimmten Bereichen zu überprüfen, insbesondere in familienrechtlichen Verfahren mit Minderjährigen. Dazu gehören unter anderem die Rechtsanwaltskammer Madrid, die Berufsvereinigung der Justizbediensteten, die Kollegien der Prozessvertreter von Madrid und Barcelona sowie die Spanische Vereinigung der Familienanwälte, die mögliche Risiken im Hinblick auf Verfahrensverzögerungen und den Schutz des Kindeswohls aufgezeigt haben.

Diese Positionen haben auch im parlamentarischen Bereich Niederschlag gefunden, durch Initiativen, die darauf abzielen, die Verpflichtung zur vorherigen Inanspruchnahme von MASC in bestimmten Verfahren zu begrenzen oder auszuschließen.

Ebenso hat die Debatte die verfassungsrechtliche Ebene erreicht. Das Verfassungsgericht hat eine Verfassungsbeschwerde zur Prüfung zugelassen, die sich auf die Verpflichtung bezieht, vor Einreichung einer Klage ein MASC in Anspruch zu nehmen, da dies möglicherweise Spannungen mit dem Recht auf effektiven Rechtsschutz und dem Schutz von Minderjährigen erzeugen könnte. Es wird somit Aufgabe des Verfassungsgerichts sein, über die Vereinbarkeit dieses Modells zu entscheiden.

In diesem Kontext hat auch der Berufssektor seine Positionen zum Ausdruck gebracht. Seitens SINMECO wurden kritische Überlegungen zu bestimmten Instrumenten geäußert, die durch das Organgesetz 1/2025 eingeführt wurden, wie etwa das sogenannte vertrauliche verbindliche Angebot, insbesondere im Hinblick auf seine Vereinbarkeit mit der eigentlichen Logik der Mediation.

Um diese Fragen zu analysieren, sprechen wir erneut mit Raúl Gómez Ojados, Mediator und Gerichtssachverständiger in Cartagena, der zunehmend in die Entwicklung und institutionelle Projektion der Mediation in Spanien eingebunden ist, und aktualisieren damit das Interview, das wir am 1. Januar dieses Jahres mit ihm geführt haben.

 

Interview

  1. Raúl, was hat dich dazu bewogen, dich aktiv bei SINMECO zu engagieren?
    Während eines kürzlichen Aufenthalts in Madrid konnte ich das hohe Engagement verschiedener Fachleute bei der Förderung der Mediation auf staatlicher Ebene feststellen. Derzeit existiert ein Netzwerk von Vertretern in verschiedenen Regionen, die aktiv daran arbeiten, das Bewusstsein und die Entwicklung dieser Mechanismen zu fördern, insbesondere angesichts des noch begrenzten Bekanntheitsgrades in der Bevölkerung.
  2. Wie würdest du die Notwendigkeit einer spezifischen Gewerkschaft für Mediationsfachleute im aktuellen Kontext definieren?
    Das Bestehen einer Struktur wie SINMECO entspricht der Notwendigkeit, die Professionalisierung des Sektors voranzutreiben. Es handelt sich um ein wachsendes Feld, das die Konsolidierung angemessener Arbeitsbedingungen, die Stärkung der Spezialisierung und die Gewährleistung rechtlicher Sicherheit in den Beziehungen zur Verwaltung und zu anderen Akteuren erfordert. All dies trägt dazu bei, die Figur des Mediators als unabhängigen und qualifizierten Fachmann zu festigen.
  3. Welche Rolle strebt SINMECO im Bereich der Konfliktlösung in Spanien an?
    SINMECO strebt danach, sich als relevanter Akteur bei der Förderung und Strukturierung der Mediation in Spanien zu etablieren. Seine Tätigkeit richtet sich darauf aus, eine Kultur der Einigung als ergänzende Alternative zum Gerichtsverfahren zu fördern, die Mediation in verschiedenen Bereichen (Familie, Zivilrecht, Handelsrecht, Gemeinschaft) zu stärken, Qualitätsstandards und kontinuierliche Weiterbildung zu fördern sowie zur Konfliktprävention und zur Verbesserung des sozialen Zusammenhalts beizutragen.
  4. Welche wichtigsten Schlussfolgerungen würdest du nach dem jüngsten landesweiten Treffen hervorheben?
    Zu den wichtigsten Schlussfolgerungen gehört die Feststellung, dass bestimmte kürzlich eingeführte normative Instrumente überprüft werden sollten, insbesondere im Hinblick auf ihre Übereinstimmung mit dem Wesen der Mediation. Zudem wurde die Möglichkeit angesprochen, den rechtlichen Wert bestimmter Vereinbarungen in spezifischen Bereichen zu stärken, um Verfahren zu vereinfachen und Kosten zu reduzieren.
  5. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten aktuellen Defizite des Mediationsberufs?
    Es bestehen weiterhin einige bedeutende Herausforderungen, darunter das allgemeine Unwissen über die Mediation, eine gewisse Unsicherheit in ihrer praktischen Anwendung sowie die Notwendigkeit, das Vertrauen in entsprechend ausgebildete Fachleute zu stärken. Zudem besteht Verbesserungsbedarf bei der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen juristischen Akteuren.
  6. Glaubst du, dass der Mediator im derzeitigen Justizsystem ausreichend anerkannt ist?
    Trotz der jüngsten normativen Fortschritte, insbesondere durch das Organgesetz 1/2025, besteht weiterhin eine Lücke zwischen der rechtlichen Anerkennung der Mediation und ihrer tatsächlichen Umsetzung in der beruflichen und gesellschaftlichen Praxis. Diese Lücke zu schließen ist eine der größten Herausforderungen des Sektors.
  7. Warum hat das vertrauliche verbindliche Angebot innerhalb des Sektors eine Debatte ausgelöst?
    Die Debatte konzentriert sich auf die Notwendigkeit, die eigentliche Natur der Mediation als freiwilligen, vertraulichen und auf der Autonomie der Parteien beruhenden Prozess zu bewahren. Einige Fachleute sind der Ansicht, dass bestimmte Instrumente einer vertieften Analyse bedürfen, um ihre Kohärenz mit diesen Grundsätzen zu gewährleisten.
  8. Glaubst du, dass das Prinzip von Treu und Glauben beim Zugang zu den MASC eingehalten wird?
    Die geltende Regelung stärkt das Prinzip von Treu und Glauben, indem sie eine aktive und nicht nur formale Beteiligung verlangt. In diesem Sinne wird die ordnungsgemäße Anwendung des Systems in hohem Maße vom Verhalten der Parteien sowie von einer angemessenen Kontrolle durch die Gerichte im Falle eines Missbrauchs abhängen.
  9. Welche Veränderungen wären notwendig, um zu einem weniger gerichtslastigen Modell zu gelangen?
    Zu den zentralen Entwicklungslinien zählen die Stärkung der MASC als bevorzugter Weg, die Förderung von Kompetenzen im Konfliktmanagement, der Ausbau der gemeinschaftlichen Mediation, die Vereinfachung der Rechtssprache sowie die Einführung von Anreizen zur Förderung außergerichtlicher Streitbeilegung.
  10. Welche beruflichen Forderungen hältst du für prioritär?
    Zu den Prioritäten zählen die Etablierung eines angemessenen Vergütungsrahmens, die Stärkung der gesellschaftlichen Sichtbarkeit der Mediation, die Förderung von Spezialisierung und kontinuierlicher Weiterbildung, die Verbesserung der materiellen Arbeitsbedingungen sowie Fortschritte hin zu einer stärkeren Kohäsion des Sektors.
  11. Gibt es einen echten institutionellen Willen, die Mediation zu fördern?
    Es ist eine schrittweise Tendenz zur Integration der Mediation in das Justizsystem erkennbar, insbesondere nach den durch das Organgesetz 1/2025 eingeführten Reformen. Dieser Prozess reagiert auf die Notwendigkeit, die Effizienz des Systems zu verbessern und flexiblere sowie nachhaltigere Alternativen anzubieten.
  12. Wie bewertest du die kritischen Positionen gegenüber den MASC in familienrechtlichen Verfahren mit Minderjährigen?
    Es handelt sich um eine komplexe Debatte, die die Notwendigkeit verdeutlicht, unterschiedliche Interessen auszubalancieren, insbesondere den Schutz des Minderjährigen und die Effizienz des Systems. In diesem Zusammenhang ist es entscheidend, weiterhin die Rolle der Mediation in diesen Fällen unter angemessenen Garantien zu analysieren.
  13. Kann die Verpflichtung zur Inanspruchnahme von MASC Spannungen mit Grundrechten erzeugen?
    Aus allgemeiner Sicht kann die Mediation als mit dem Recht auf effektiven Rechtsschutz vereinbar angesehen werden, da sie den Zugang zu den Gerichten nicht verhindert, sondern einen vorherigen Mechanismus einführt, der auf die Erleichterung einvernehmlicher Lösungen abzielt. Letztlich wird jedoch das Verfassungsgericht über die endgültige Vereinbarkeit des Modells entscheiden.
  14. Wie kann der Schutz des Minderjährigen mit einer Kultur des Dialogs in Einklang gebracht werden?
    Die Mediation ermöglicht es, den Prozess auf die Bedürfnisse des Minderjährigen auszurichten, die gemeinsame Verantwortung der Eltern zu fördern und eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Durch angepasste Beteiligungsformen und flexible Vereinbarungen kann sie zu stabileren und weniger belastenden Lösungen beitragen.
  15. Wie stellst du dir die Zukunft der Mediation in Spanien vor?
    Die Zukunft der Mediation weist in Richtung einer stärkeren Integration in das Justizsystem, einer zunehmenden Professionalisierung und eines schrittweisen kulturellen Wandels hin, der den Dialog als primären Weg der Konfliktlösung fördert. Dies wird die Stärkung des Vertrauens in das System und in die beteiligten Fachleute erfordern.

 

Schluss

Der aktuelle Moment der Mediation in Spanien befindet sich in einer Phase bedeutender Entwicklung. Zwischen gesetzgeberischem Impuls, Debatten über die praktische Anwendung und der Überprüfung auf verfassungsrechtlicher Ebene steht der Sektor vor der Herausforderung, ein ausgewogenes, wirksames und rechtssicheres Modell zu konsolidieren.

Der Beitrag von Fachleuten wie Raúl Gómez Ojados trägt dazu bei, diese Debatte zu bereichern und die zukünftige Entwicklung der Mediation in unserem Land zu projizieren, in einem Kontext, in dem die Kultur der Einigung zunehmend an Bedeutung gewinnt.

 

Cartagena und Barcelona, 19. April 2026

Kontakte:
Raúl Gómez Ojados (Cartagena), Tel. +34 603 03 89 88
Daniel Sererols Villalón (Barcelona), Tel. +34 661 463 306
Bertram Müller (Barcelona und Deutschland), Tel. +34 669 570 074