26 Dez. Ein Jahr Organgesetz 1/2025
Ein Jahr Organgesetz 1/2025: eine reale Chance zur Förderung der Mediation und der MASC in Spanien
Am 2. Januar jährt sich zum ersten Mal das Inkrafttreten des Organgesetzes 1/2025 über Maßnahmen zur Effizienz des öffentlichen Justizdienstes, einer zentralen Norm, die einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise darstellt, wie Konflikte in Spanien verwaltet und gelöst werden.
Obwohl sich die öffentliche Debatte häufig auf die gerichtliche Neuorganisation konzentriert hat, ist einer der wichtigsten -und zugleich transformativsten- Pfeiler dieses Gesetzes die Stärkung der Angemessenen Methoden zur Streitbeilegung (MASC), darunter Mediation, Schlichtung, begleitete Verhandlung sowie weitere außergerichtliche Mechanismen.
Dieses erste Jubiläum lädt nicht nur zu einer Bestandsaufnahme ein, sondern auch dazu, Zeit, Perspektive und rechtliche Aufklärungsarbeit einzufordern.
Mediation und MASC: vom Diskurs zur Praxis
Das Organgesetz 1/2025 festigt eine Idee, die seit Jahren von Rechtspraktikern, Mediatoren und internationalen Organisationen vertreten wird:
Nicht alle Konflikte sollten vor Gericht gelöst werden.
Die MASC sind weder eine minderwertige Alternative noch ein Hindernis für den Zugang zur Justiz, sondern komplementäre, wirksame und vollumfänglich rechtsstaatlich abgesicherte Wege, die sich besonders eignen für Konflikte:
- Familien- und Erbschaftsangelegenheiten
- Nachbarschaftliche und gemeinschaftliche Konflikte
- Zivil- und Handelssachen
- Vertrags- und Verbraucherkonflikte
- Unternehmens- und gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten
Vergleichende Erfahrungen und die tägliche Praxis zeigen, dass viele Konflikte außerhalb des Gerichtssaals schneller, menschlicher und nachhaltiger gelöst werden können.
Klare Vorteile der außergerichtlichen Streitbeilegung
- Zeitersparnis
Gerichtsverfahren können sich über Jahre hinziehen.
Mediation und andere MASC ermöglichen es, Konflikte innerhalb von Wochen oder Monaten zu lösen und unnötige Verzögerungen zu vermeiden.
- Reduzierung der wirtschaftlichen Kosten
Weniger Verfahrensschritte, weniger Verhandlungen, weniger prozessuale Rechtsmittel.
Die außergerichtliche Streitbeilegung bedeutet geringere direkte und indirekte Kosten, sowohl für die Parteien als auch für das Justizsystem.
- Erhalt persönlicher und beruflicher Beziehungen
In der Mediation gibt es keine Gewinner und keine Verlierer.
Dialog, Mitverantwortung und Respekt werden gefördert – ein wesentlicher Aspekt bei Konflikten zwischen Familienangehörigen, Geschäftspartnern, Nachbarn oder Unternehmen mit dauerhaften Beziehungen.
- Vertraulichkeit
Im Gegensatz zum Gerichtsverfahren ist die Mediation vertraulich, wodurch die Privatsphäre, der Ruf und sensible Informationen der Parteien geschützt werden.
- Freiwilligkeit und Eigenverantwortung der Parteien
Die beteiligten Personen entscheiden selbst über ihren Konflikt, mit professioneller Begleitung, jedoch ohne äußeren Zwang.
- Stabilere und besser eingehaltene Vereinbarungen
In der Mediation erzielte Vereinbarungen weisen in der Regel eine höhere Erfüllungsquote auf, da sie auf Konsens beruhen und nicht auf einer auferlegten gerichtlichen Entscheidung.
Ein kultureller Wandel, der Zeit benötigt
Einige kritische Stimmen haben auf Schwierigkeiten, Funktionsstörungen oder Unsicherheiten bei der Anwendung des Organgesetzes 1/2025 hingewiesen. Dennoch ist eine grundlegende Tatsache zu berücksichtigen:
Die praktische Umsetzung der MASC begann im April, kurz darauf folgte die Sommerperiode, die traditionell durch eine geringere Aktivität gekennzeichnet ist.
Eine strukturelle Reform dieses Ausmaßes innerhalb eines so kurzen Zeitraums abschließend bewerten zu wollen, ist nicht realistisch.
Mediation und MASC konsolidieren sich nicht allein durch gesetzliche Regelungen, sondern durch:
- Ausbildung
- Praktische Erfahrung
- Vertrauen der Bevölkerung
- Engagement der Rechtsberufe
- Zeit
Mediation und Anwaltschaft: Verbündete, keine Gegner
Ein weiterer wesentlicher Aspekt besteht darin, die falsche Dichotomie zwischen Mediation und Anwaltschaft zu überwinden.
Das Organgesetz 1/2025 schwächt die Rolle des Rechtsanwalts nicht, sondern erweitert und bereichert sie.
Der Rechtsanwalt:
- Berät
- Begleitet
- Schützt Rechte
- Gewährleistet die Rechtmäßigkeit von Vereinbarungen
Die Mediation schließt die rechtliche Vertretung nicht aus, sondern ordnet sie in einen effizienteren und lösungsorientierten Rahmen ein.
Die Rolle der Rechtsanwaltskammer Barcelona (ICAB)
Im ersten Jahr der Anwendung des Organgesetzes 1/2025 verdient die Rolle der Rechtsanwaltskammer Barcelona (Il·lustre Col·legi de l’Advocacia de Barcelona – ICAB) besondere Anerkennung. Sie hat während des gesamten Jahres eine proaktive, konstruktive und unterstützende Haltung gegenüber der Umsetzung dieser Gesetzgebung eingenommen. Durch zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge und Fortbildungsangebote hat die Kammer entscheidend zur notwendigen rechtlichen Aufklärungsarbeit beigetragen, um die tatsächliche Tragweite des Gesetzes und insbesondere die Rolle der Mediation und der Angemessenen Methoden zur Streitbeilegung (MASC) zu verstehen. Ausgehend von der grundlegenden Prämisse, dass bestimmte Konflikte gerichtlich zu lösen sind, während andere außerhalb des Gerichts besser aufgehoben sind, hat der ICAB eine integrative und realistische Sichtweise der anwaltlichen Berufsausübung gefördert. Hinzu kommt die Bereitstellung von Mediationsräumen im ADR-Bereich, eine grundlegende Ressource, die die effektive Ausübung der Mediation erleichtert und das institutionelle Engagement für eine effizientere, zugänglichere und dialogorientierte Justiz stärkt.
Ein erstes Jubiläum zur Konsolidierung, nicht zur Delegitimierung
Dieses erste Jubiläum des Organgesetzes 1/2025 sollte dazu dienen:
- Das Vertrauen in die MASC zu stärken
- Ihre praktische Anwendung zu verbessern
- Funktionsstörungen zu korrigieren
- Die Fachleute anzuhören
- Auf eine zugänglichere, nachhaltigere und menschlichere Justiz zu setzen
Sich ausschließlich auf die Mängel eines jungen Gesetzes zu konzentrieren, ohne ihm Zeit zur Reifung zu geben, trägt nicht zur Verbesserung des Systems bei, sondern verstetigt dessen Überlastung.
Schlussfolgerung: mehr Dialog, weniger verhärtete Konflikte
Mediation und angemessene Methoden der Streitbeilegung sind weder eine Modeerscheinung noch eine auferlegte Maßnahme, sondern eine kohärente Antwort auf eine komplexe gesellschaftliche und justizielle Realität.
Ein Jahr später stellt das Organgesetz 1/2025 eine reale Chance dar, um:
- Die Gerichte zu entlasten
- Die Bürger zu stärken
- Konflikte schneller, kostengünstiger und menschlicher zu lösen
Geben wir dem Wandel Zeit.
Geben wir dem Dialog Raum.
Und bauen wir weiterhin an einer Justiz, die nicht nur entscheidet, sondern heilt und befriedet.
Kontakt unverbindlich:
Bertram Müller, Mediator
📞 Tel. + 34 669.570.074
📧 bertram@mediadorconflictos.com
Daniel Sererols Villalón, Rechtsanwalt und Mediator
📞 Tel. +34 661 463 306
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