23 Jan. Wenn Gesundheit in Konflikt gerät: Mediation zur Entwicklung von Vereinbarungen
Wenn Gesundheit in Konflikt gerät: Mediation zur Entwicklung von Vereinbarungen
Reflexionen zum Europäischen Tag der Mediation (2026)
Am 19. Januar hatte ich die Gelegenheit, an der Podiumsdiskussion „Wenn Gesundheit in Konflikt gerät: Mediation zur Entwicklung von Vereinbarungen“ teilzunehmen, einer Veranstaltung, die anlässlich des Europäischen Tages der Mediation von der Mediationskommission des Offiziellen Berufsverbands für Soziale Arbeit in Katalonien (TSCAT) mit aktiver Beteiligung der Kommission für psychische Gesundheit organisiert wurde.
Ich möchte diesen Artikel beginnen, indem ich Gemma Pellicé Gibernau, Mediatorin, Mitglied des Offiziellen Berufsverbands für Soziale Arbeit in Katalonien und Kollegin an der FP La Salle Gràcia, meinen aufrichtigen Dank ausspreche, dass sie mich persönlich eingeladen hat, an diesem Reflexionsraum teilzunehmen. Vielen Dank, Gemma, dass du an mich gedacht hast und mir die Teilnahme an einem tief inspirierenden, fundierten, bereichernden und pädagogisch wertvollen Tag ermöglicht hast, der mir erlaubt hat, zu lernen, zu vertiefen und meinen Blick auf die Mediation im Gesundheitsbereich zu erweitern.
Eine besondere Widmung
Ich möchte diese Veröffentlichung auch Sara Daví und ihrem Team widmen. Als meine frühere Dozentin für Mediation war sie diejenige, die mir die Türen zum Wissen und zur praktischen Realität der Mediation im Gesundheitswesen geöffnet hat. Wann immer ich mit komplexen gesundheitlichen Situationen konfrontiert bin, erinnere ich mich an ihre Lehre, ihre Perspektive und ihre Art, Mediation zu verstehen – zugleich fundiert und zutiefst menschlich.
Gesundheitsmediation: weit mehr als Konfliktmanagement
Die Gesundheitsmediation stellt heute eines der Bereiche mit dem größten Potenzial innerhalb der Konfliktmediation und der MASC (Geeignete Mittel zur Streitbeilegung) dar. Es ist ein Feld, in dem intensive Emotionen, Verletzlichkeit, Versorgungsdruck, komplexe familiäre Dynamiken sowie Entscheidungen mit hohem persönlichem, sozialem und gesellschaftlichem Einfluss zusammenkommen.
In diesem Kontext wird der Mediator im Gesundheitsbereich zu einer Schlüsselfigur, um Dialog zu fördern, Beziehungen wiederherzustellen, Vertrauen aufzubauen und sichere Kommunikationsräume zu schaffen, insbesondere wenn die beteiligten Personen Phasen emotionaler Fragilität durchleben.
Während der Veranstaltung wurde ein Gedanke geteilt, der das Wesen der Mediation treffend zusammenfasst:
„Wenn sich eine festgefahrene Person verstanden fühlt, kann sie bereit sein zu sprechen.“
Dieser Satz bringt eine tiefgehende Wahrheit zum Ausdruck: Verstehen öffnet die Tür zum Dialog, und Dialog ermöglicht es, Konflikt in Chance zu verwandeln.
Mediation im Gesundheitswesen und Gesundheitsmediation: unterschiedliche Konzepte
Einer der wichtigsten Aspekte der Veranstaltung war die klare Unterscheidung zwischen Mediation im Gesundheitswesen und Gesundheitsmediation, zwei oft verwechselte, jedoch konzeptionell unterschiedliche Realitäten.
Die Mediation im Gesundheitswesen konzentriert sich vor allem auf die Organisation der Gesundheitsdienste, Versorgungsabläufe, die Beziehungen zwischen Fachkräften und Institutionen sowie auf die Bewältigung von Konflikten, die in diesen Umfeldern entstehen.
Die Gesundheitsmediation hingegen stellt die Person in den Mittelpunkt, ihr familiäres, soziales und gemeinschaftliches Umfeld sowie die emotionale, relationale und existenzielle Wirkung der Konfliktsituation.
Dieser humanistische Ansatz macht die Gesundheitsmediation zu einem Instrument von hohem restaurativem Wert, das emotionale Heilungsprozesse und den Wiederaufbau bedeutungsvoller Beziehungen fördern kann.
Der transformative Wert der Mediation im Gesundheitswesen
Die Mediation im Gesundheitswesen spielt eine zentrale Rolle bei der Verteidigung der Rechte von Menschen mit besonderen Anpassungsbedürfnissen, indem sie volle Inklusion in Entscheidungsprozesse fördert und verhindert, dass Verletzlichkeit zu einem Nachteil wird.
Sie wird zugleich zu einem Raum aktiven Zuhörens für Nutzerinnen und Nutzer, Fachkräfte und Familien, der gegenseitiges Verständnis erleichtert, Spannungen abbaut und emotional komplexe Situationen konstruktiv bearbeitet. Dieser Dialograum ermöglicht es, Beziehungen neu aufzubauen, Vertrauen wiederherzustellen und die Medizin zu rehumanisieren, indem die Person erneut in den Mittelpunkt des Systems gestellt wird.
In der Praxis erweist sich die Mediation im Gesundheitswesen insbesondere als hilfreich bei:
– Innerfamiliären Konflikten im Zusammenhang mit persönlicher Betreuung, Pflege, Abhängigkeit oder sensiblen Entscheidungsprozessen.
– Konflikten zwischen Nutzerinnen und Nutzern bzw. Familien und Gesundheitseinrichtungen, Diensten oder professionellen Teams.
– Interprofessionellen Konflikten innerhalb von Gesundheitsteams, die Kohäsion, Zusammenarbeit und ein positives Arbeitsklima fördern.
Somit beschränkt sich die Mediation im Gesundheitswesen nicht auf Konfliktbewältigung, sondern transformiert Beziehungen, verbessert Versorgungsprozesse und trägt zu einer menschlicheren, empathischeren und effizienteren Betreuung bei.
Mediation als emotional heilender Prozess
Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Tages war die Feststellung, dass Mediation emotional heilend wirken kann. Es geht nicht nur darum, Vereinbarungen zu erzielen, sondern auch darum, Beziehungen wiederherzustellen, emotionale Verletzungen zu heilen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
In Kontexten von psychischer Gesundheit, funktionaler Vielfalt, Abhängigkeit oder chronischer Krankheit bietet Mediation einen sicheren Raum, in dem Spannungen reduziert, Eskalationen verhindert, Betreuung humanisiert, gemeinsame Entscheidungsfindung gefördert und die Lebensqualität aller Beteiligten verbessert wird.
Mediation etabliert sich somit als unverzichtbare Ergänzung der Gesundheits- und Sozialsysteme, indem sie eine relationale Dimension einbringt, die häufig unsichtbar bleibt.
Berufliche Erfahrung: Mediation und psychische Gesundheit – eine mögliche Realität
Aus meiner Erfahrung als professioneller Mediator hatte ich die Gelegenheit, Prozesse zu begleiten, an denen Menschen mit Schizophrenie, Autismus-Spektrum-Störungen, schweren Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen beteiligt waren. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Mediation in diesen Kontexten möglich ist – und oft von großem Wert –, sofern ein geeignetes Umfeld, entsprechende methodische Anpassungen und ein tiefes Respektieren der individuellen Rhythmen und Bedürfnisse gegeben sind.
Diese Podiumsdiskussion war für mich besonders bereichernd und erkenntnisreich, da sie mir ermöglichte, mein Verständnis dieser Realitäten zu vertiefen, Perspektiven mit anderen Fachkräften auszutauschen und eine tiefe Überzeugung zu bekräftigen: Menschen mit psychischen Erkrankungen müssen aktiv an Mediationsprozessen teilnehmen können.
Ich bin ein entschiedener Verfechter ihres Rechts, gehört, anerkannt und gestärkt zu werden, ohne paternalistische oder ausgrenzende Sichtweisen. Richtig angewandte Mediation kann ihnen einen sicheren Raum bieten, um sich auszudrücken, ihre Konflikte besser zu verstehen und sinnvolle Vereinbarungen zu entwickeln.
Kann Mediation innerhalb öffentlicher Verwaltungen stattfinden?
Einer der anregendsten Momente der Veranstaltung war die von Artur Román aufgeworfene Frage: Kann Mediation innerhalb öffentlicher Verwaltungen stattfinden?
Persönlich war ich sehr positiv beeindruckt von der Argumentation, die er zur Beantwortung entwickelte, unter Bezugnahme auf das Gesetz 39/2015 vom 1. Oktober über das gemeinsame Verwaltungsverfahren der öffentlichen Verwaltungen, und indem er die realen Möglichkeiten hervorhob, Mediation und MASC in den regulären Ablauf der Institutionen zu integrieren.
Konkret eröffnet Artikel 86.1 dieses Gesetzes die Möglichkeit zum Abschluss von Vereinbarungen, Abkommen, Konventionen oder Verträgen, die als abschließende Verwaltungsakte gelten oder in Verfahren vorab eingebunden werden können. Dieser rechtliche Rahmen legitimiert die Integration der Mediation in die Verwaltungstätigkeit vollumfänglich und ermöglicht den Fortschritt hin zu einer dialogorientierteren, effizienteren, menschlicheren und konsensorientierten Verwaltung, die in der Lage ist, Rechtsstreitigkeiten zu verhindern, Konflikte zu reduzieren und die Beziehung zur Bürgerschaft zu verbessern.
Die grundlegende Rolle des TSCAT und der Katalanischen Gesellschaft für Gesundheitsmediation
Besonders hervorheben möchte ich die Arbeit der Mediationskommission des TSCAT sowie das engagierte Mitwirken der Kommission für psychische Gesundheit, die diesen Tag von außergewöhnlich hohem professionellem, akademischem und menschlichem Niveau ermöglicht haben.
Ebenso verdient die Katalanische Gesellschaft für Gesundheitsmediation besondere Anerkennung. Sie vereint hoch engagierte Fachleute wie Artur Román, Carles Garcia Roqueta, Mercè Alaball und viele weitere, die unermüdlich daran arbeiten, dieses aufstrebende Fachgebiet zu festigen.
Aufruf zur Beteiligung von Fachkräften der Sozialen Arbeit
In diesem Zusammenhang möchte ich alle Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die sich für Mediation, MASC und konstruktives Konfliktmanagement interessieren, ermutigen, sich aktiv im Offiziellen Berufsverband für Soziale Arbeit in Katalonien und in dessen Mediationskommission zu engagieren.
📩 mediacio@tscat.cat
Ihre Beteiligung ist entscheidend, um weiterhin eine starke, interdisziplinäre, inklusive und transformative Mediation aufzubauen.
Schlussfolgerungen: Menschen begleiten, Beziehungen wiederherstellen, Zusammenleben gestalten
Die Veranstaltung „Wenn Gesundheit in Konflikt gerät: Mediation zur Entwicklung von Vereinbarungen“ hat eine tiefe Überzeugung bekräftigt: Gesundheitsmediation und Mediation im Gesundheitswesen lösen nicht nur Konflikte – sie kümmern sich um Menschen.
In einer zunehmend schnellen, angespannten und fragmentierten Welt bietet Mediation Zeit, Wort, Zuhören und Anerkennung – vier wesentliche Elemente, um Beziehungen neu aufzubauen und ein konstruktives Zusammenleben zu fördern.
Als Konfliktmediator, privater Schlichter und Fachmann für MASC bin ich überzeugt, dass die Gesundheitsmediation ein Gegenwarts- und Zukunftsfeld mit enormem Potenzial darstellt, um Beziehungen zu humanisieren, institutionelle Qualität zu verbessern und zu einer dialogorientierteren, gerechteren und kohärenteren Gesellschaft beizutragen.
Kontakt:
Bertram Müller, Mediator
📞 Tel. 669.570.074
📧 bertram@mediadorconflictos.com
Daniel Sererols Villalón
📞 Tel. 661.463.306
📧 daniel@mediadorconflictos.com